EU-Kommission nimmt verstärkt Kampf gegen Schleuserbanden auf

Am 18. und 19. März 2026 hat Europol einen digitalen Aktionstag gegen Schleuseraktivitäten entlang der Mittelmeeroute durchgeführt. Er diente der Zusammenführung und dem Training des seit kurzem eingerichteten „EU-Joint Teams“ (gemeinsame Teams). Mehr als 30 Experten aus Deutschland, Italien, den Niederlanden, Spanien, dem Vereinigten Königreich und dem Büro des Staatsanwalts – Internationaler Strafgerichtshof (OTP-ICC) nahmen zusammen mit Europol und Online-Ermittlern des Europol-koordinierten DiGiNEX-Netzwerks an der Aktion teil. Die Operation konzentrierte sich auf zehn Hauptziele, die von den an den Ermittlungen beteiligten Behörden priorisiert wurden. Durch die Kombination ihrer Expertise und operativen Fähigkeiten trugen sie zu den laufenden Ermittlungen gegen die wichtigsten Organisatoren von Schleuseraktionen durch Libyen nach Europa bei. Die Ermittler analysierten Benutzernamen, E-Mail-Adressen, systemgenerierte Kennungen, Social-Media-Konten und Unternehmen, die direkt mit den Verdächtigen verbunden sind.

Ziel der Netze entlang der zentralen Mittelmeerroute

Die vom gemeinsamen Team ins Visier genommenen Netzwerke sind für die illegale Einschleusung von Migranten aus afrikanischen, aber auch asiatischen Ländern via Zwischenstopps in Libyen verantwortlich. Dort sind Migranten häufig auch syste-matischen Gewalt- und Ausbeutungsmustern ausgesetzt. Einige dieser „Handlungen“ können als Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Kriegsverbrechen eingestuft werden und als solche unter die Zuständigkeit des Internationalen Strafgerichtshofs fallen. Die Menschenschmuggler fordern zudem oft zusätzliche Zahlungen unter Androhung von Gewalt, um eine weitere Durchreise über das Mittelmeer zu ermöglichen. Nach ihrer Ankunft in Italien fahren viele Migranten weiter in andere europäische Zielländer, darunter insbesondere Deutschland, die Niederlande und Großbritannien.

Hintergrund: Gemeinsames Team (Joint Team) und koordinierte Reaktion

Die Schleuserkriminalität ist nach wie vor eine zentrale kriminelle Bedrohung für die Europäische Union (EU) und erfordert koordinierte Maßnahmen über die gesamte kriminelle Kette hinweg – von der Sammlung der Migranten und dem Transit bis hin zu den Finanzströmen, die sie unterstützen. Das Joint Team wurde 2018 als Kooperationsrahmen zwischen Justiz- und Strafverfolgungsbehörden aus mehreren Ländern sowie später des OTP-ICC gegründet.

Ziel ist es, den Austausch von Informationen zu verbessern und die operativen Bemühungen zur Bekämpfung der Schleuserkriminalität von Libyen in die EU über die zentrale Mittelmeerroute zu koordinieren. Das Gemeinsame Team konzentriert sich auf das Sammeln, Teilen und Analysieren von Informationen über kriminelle Netzwerke, die an schweren Verbrechen gegen Migranten auf diesem Weg beteiligt sind. Zehntausende Migranten, die vom Horn von Afrika über Libyen in die EU reisen, sind vermutlich u. a. Opfer von Ausbeutung, Gewalt und Erpressung. Das ultimative Ziel des Gemeinsamen Teams ist es, die Täter vor Gericht zu bringen und die Straflosigkeit rund um diese Verbrechen zu beenden. Das Gemeinsame Team umfasst Justiz- und Strafverfolgungsbehörden aus Deutschland, Italien, den Niederlanden, Spanien und dem Vereinigten Königreich sowie dem OTP-ICC.

Obwohl Europol kein formeller Unterzeichner ist, flankiert es die Initiative, indem es im Rahmen seines Mandats operatives Fachwissen, analytische Unterstützung und sichere Informationsaustauschdienste bereitstellt. Europol unterstützt Unter-suchungen durch einen datengesteuerten Ansatz, der die Fälle, die von den nationalen Behörden bereitgestellt werden, verbessert. Europol erleichtert auch den Information-saustausch und koordiniert gemeinsame Operationen, um kriminelle Netzwerke zu stören. Um die Bemühungen von Europol zur Bekämpfung des Migrantenschmuggels zu verstärken, wurde im Dezember 2025 die Verordnung (EU) 2025/2611 verab-schiedet. Diese neue EU-Rechtsvorschrift unterstreicht die Bedeutung der Bekämpfung der Schleuserkriminalität auf EU-Ebene durch eine verstärkte Zusammenarbeit, einschließlich der Einrichtung des ECAMS – Europäischen Zentrums gegen die Schleuserkriminalität von Europol im März 2026.

Weitere Informationen:

Aktionstag: www.europol.europa.eu/media-press/newsroom

Verordnung (EU) 2025/2611 eur-lex.europa.eu/legal-content

Quelle: DStGB Aktuell Nr. 1326-04 vom 27. März 2026