„Mich hat nie jemand an die Hand genommen“

In diesen Tagen blickt das Naturschutzgroßprojekt Lausitzer Seenland auf sein 20-jähriges Bestehen zurück.

Der damalige Geschäftsführer Jürgen Rosemund, der das Projekt zwar konzeptionell aus der Taufe gehoben hatte, dessen praktische Umsetzung jedoch offenließ, fand für diese Herausforderung eine pragmatische Lösung: die Ausschreibung zweier Schlüsselpositionen – der Projektleitung sowie einer wissenschaftlichen Mitarbeit. Auf jede der Stellen gingen rund 400 Bewerbungen ein. Eine davon, für die Position des Projektleiters, stammte von Dr. Alexander Harter.

Zu diesem Zeitpunkt verfügte Dr. Harter bereits über eine langjährige berufliche Erfahrung in verantwortungsvollen Positionen. Bereits im Alter von 19 Jahren verließ er die Pfalz, um von September 1987 bis Oktober 1993 Landschaftsplanung an der Technischen Universität Berlin zu studieren. Seine fachlichen Schwerpunkte lagen in der Bodenkunde und Altlastenerkundung. Er spezialisierte sich als Renaturierungsökologe mit dem Ziel, geschädigte Ökosysteme in einen möglichst naturnahen Zustand zurückzuführen. In den Jahren von 1993 bis 2001 war er im Management von Forschungs- und Studienprojekten an der Fachhochschule Eberswalde sowie an der Universität Greifswald tätig. Anschließend leitete er von 2001 bis 2005 ein EU-LIFE-Projekt am StAUN Ueckermünde zur Naturraumsanierung.

Sein Wechsel in die Elsterheide lässt sich auf drei wesentliche Faktoren zurückführen: die begrenzten beruflichen Perspektiven in Mecklenburg-Vorpommern, die Offenheit für neue Herausforderungen sowie das Angebot einer Festanstellung als Projektleiter in Bergen. Letzteres erwies sich jedoch zunächst als weniger verlässlich als erwartet. Die Projektlaufzeit war auf acht Jahre angelegt, verbunden mit der Option einer Verlängerung bei erfolgreicher Entwicklung. Diese sollte sich später bestätigen.

Nach dem Auslaufen der Bundesförderung im Jahr 2011, intensiven Verhandlungen mit der LMBV zur Grundbucheintragung zahlreicher Flächen sowie einer existenzbedrohenden Rutschung im Oktober 2010 stand das Projekt zeitweise vor dem Aus. Schließlich wurde Dr. Harter die Gesamtleitung des Naturschutzgroßprojekts Lausitzer Seenland übertragen – eine Aufgabe, die er seither mit großer Eigenständigkeit ausfüllt. „An die Hand genommen“ werden musste er dabei nie.

Von Beginn an erkannte Dr. Harter das Potenzial seines Aufgabenbereichs. Er übernahm die Verantwortung für die Sicherung und Pflege der Bergbaufolgelandschaft rund um den Erika-, Neuwieser und Bergener See im Sinne des Naturschutzes. Die damit verbundenen Maßnahmen erfordern erhebliche finanzielle Mittel: Rund 6,5 Millionen Euro wurden bislang in Grundstückserwerb, Waldumbau, landwirtschaftliche Projekte und die Offenhaltung der Landschaft investiert. Dabei behält Dr. Harter stets die wirtschaftliche Tragfähigkeit im Blick – mit dem klaren Anspruch, langfristig eine solide Finanzierung sicherzustellen.

Mit Sitz am Anger 36 im Ortsteil Bergen verfolgt die Naturschutzgroßprojekt Lausitzer Seenland gGmbH auch nach zwei Jahrzehnten unter seiner Leitung ein klares Ziel: die durch den Bergbau geprägte Folgelandschaft aus naturschutzfachlicher Perspektive zu bewahren und nachhaltig zu sichern.

Im Zentrum seiner Arbeit steht dabei nicht allein die Renaturierung, sondern insbesondere die Schaffung eines dauerhaften Mehrwerts für Umwelt und Landschaft. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Erhalt und der Weiterentwicklung von Trockenrasen- und Offenlandbiotopen. Die Region, die über mehr als 40 Jahre durch den Braunkohleabbau geprägt wurde, benötigt weiterhin Zeit zur Regeneration. Der Verlust sorbischer Siedlungsräume, das Verschwinden ganzer Ortschaften, tiefgreifende Eingriffe in die Natur sowie nachhaltige Veränderungen des Grundwasserhaushalts wirken bis heute nach und verdeutlichen die Dimension dieses Strukturwandels.

Gleichzeitig eröffnet die Landschaft neue Perspektiven für Naturerlebnisse. Ein Blick auf die installierten Wildkameras gewährt mitunter faszinierende Einblicke: So durchstreift gelegentlich das sogenannte „Knappenroder Seenlandrudel“ das Gebiet und sorgt für eindrucksvolle Beobachtungen. Seit 2008 besteht zudem am Aussichtspunkt in Bergen die Möglichkeit, geschützte Tierarten in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Mit etwas Geduld lassen sich dort neben dem Wolfsrudel auch zahlreiche weitere Arten in einem sensiblen Ökosystem entdecken.

Dennoch bleibt die Arbeit nicht frei von Herausforderungen. Obwohl das Projekt eine Fläche von 5.844 Hektar umfasst, befinden sich nicht alle relevanten Gebiete in seiner Zuständigkeit. Flächen, die weder übertragen wurden noch zugänglich sind, unterliegen einer unkontrollierten Entwicklung. Dies hat ökologische Konsequenzen: Lebensräume, die einst Arten wie dem Brachpieper geeignete Bedingungen boten, gehen verloren. Gleichzeitig profitieren andere Arten – etwa Heidelerche oder Uhu –, die sich im Lausitzer Seenland mittlerweile erfolgreich etabliert haben.

Ob und wann Dr. Alexander Harter in den Ruhestand treten wird, ist derzeit offen. Solange seine Gesundheit und seine Begeisterung für die Aufgabe anhalten, bleibt sein Engagement für das Naturschutzgroßprojekt ungebrochen.

Weitere Informationen zum NGP erhalten Interessierte unter: Das NGP – NGP Lausitzer Seenland

Foto: Jarmila Harter/ Text: Gemeinde Elsterheide